Sammelquote 2025 bei 29,8 Prozent – Deutschland verfehlt das EU-Ziel für Elektroaltgeräte zum siebten Mal
Die vorläufigen Zahlen der stiftung elektro-altgeräte register (stiftung ear) für 2025 sind da – und sie zeigen ein bekanntes Bild: Knapp 960.000 Tonnen Elektroaltgeräte wurden in Deutschland gesammelt, das entspricht einer Sammelquote von 29,8 Prozent. Die EU verlangt seit 2019 mindestens 65 Prozent. Deutschland verfehlt das Ziel damit im siebten Jahr in Folge – wenn auch leicht besser als 2024 (28,7 Prozent).
Die Lücke ist gewaltig: Um die Vorgabe zu erreichen, müssten jährlich rund 2,1 Millionen Tonnen erfasst werden – mehr als doppelt so viel wie heute. Wo bleiben die fehlenden Geräte, was fordern Umweltverbände, und welche Rolle spielt die Unternehmens-IT?
Die Zahlen im Detail
Jahr für Jahr werden in Deutschland über drei Millionen Tonnen neue Elektrogeräte in Verkehr gebracht (2023: 3,24 Millionen Tonnen). Die Sammelquote setzt die erfasste Altgerätemenge ins Verhältnis zum Durchschnitt der drei Vorjahre. Der Höchststand lag 2020 bei rund 1,04 Millionen Tonnen; seither stagniert die Menge, während der Neuabsatz weiter wächst. Die EU-Kommission hat wegen der verfehlten Ziele bereits im Juli 2024 Vertragsverletzungsverfahren gegen 24 Mitgliedstaaten eingeleitet – Deutschland eingeschlossen.
Wo die Geräte bleiben
Ein großer Teil der Altgeräte verschwindet in Schubladen und Kellern, wird über den Hausmüll entsorgt oder wandert über informelle Kanäle ins Ausland. Kleingeräte mit Akku landen im Restmüll – und verursachen dort zunehmend Brände. Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe fordern deshalb eine Reform des Elektrogesetzes hin zu voller Herstellerverantwortung: Hersteller sollen Sammlung und Verwertung organisieren und finanzieren, statt die Last auf Kommunen und Handel zu verteilen. Nach Berechnungen der DUH ließen sich so bis zu 810.000 Tonnen Rohstoffe pro Jahr zusätzlich zurückgewinnen.
Was die Unternehmens-IT beitragen kann
Gewerbliche Altgeräte machen einen relevanten Teil der Lücke aus – und sie sind vergleichsweise einfach zu heben, weil sie zentral anfallen. Jedes ausgemusterte Notebook, das über einen dokumentierten ITAD-Prozess erfasst, gelöscht und wiederverwendet oder recycelt wird, zählt in die Statistik – anders als das Gerät im Lagerregal. Noch wichtiger als die Sammelquote ist dabei die Hierarchie: Wiederverwendung schlägt Recycling. Ein weitergenutztes Gerät spart die gesamte Herstellungsenergie einer Neuproduktion, ein recyceltes nur einen Teil der Rohstoffe.
Für Unternehmen heißt das: Ausmusterung nicht aufschieben, Altgeräte nicht horten, den Verbleib dokumentieren. Der ESG-Report des ITAD-Partners macht den Beitrag sichtbar – als vermiedener Elektroschrott in Kilogramm und als vermiedene CO₂e-Emissionen.
Fazit
Das siebte verfehlte Jahr zeigt, dass freiwillige Appelle nicht reichen. Ob die Politik das Elektrogesetz reformiert, bleibt offen. Unternehmen müssen darauf nicht warten: Wer seine Hardware konsequent in den Kreislauf zurückführt, senkt seine eigene Elektroschrottbilanz auf nahe null – und liefert genau die Daten, die Berichtsstandards wie VSME oder CSRD verlangen.
Quellen: stiftung elektro-altgeräte register (stiftung ear), vorläufige Mengendaten 2025 (September 2026); Deutsche Umwelthilfe, Pressemitteilung September 2026; Umweltbundesamt, Elektroaltgeräte – Sammelquoten; Europäische Kommission, Vertragsverletzungsverfahren zur WEEE-Richtlinie (Juli 2024).
Wie wird die Sammelquote für Elektroaltgeräte berechnet?
Die im Berichtsjahr gesammelte Menge Elektroaltgeräte wird ins Verhältnis zur durchschnittlichen Menge der in den drei Vorjahren in Verkehr gebrachten Neugeräte gesetzt. Die EU-Vorgabe liegt seit 2019 bei 65 Prozent.
Warum verfehlt Deutschland das Ziel seit Jahren?
Viele Altgeräte werden gehortet, über den Hausmüll entsorgt oder informell exportiert. Die Sammelinfrastruktur ist zersplittert, Rücknahmepflichten des Handels sind wenig bekannt. Umweltverbände fordern daher eine volle Herstellerverantwortung.
Zählt gewerbliche IT in die Sammelquote?
Ja. Gewerbliche Altgeräte, die über registrierte Entsorgungs- und Aufbereitungsbetriebe erfasst werden, fließen in die Statistik ein. Geräte, die in Unternehmen gelagert werden, fehlen dagegen – ein Grund mehr, Ausmusterungen nicht aufzuschieben.



