62 Millionen Tonnen E-Schrott, 22 Prozent Recycling – Die Zahlen hinter dem EU Circular Economy Act
Der Global E-waste Monitor der Vereinten Nationen ist die umfassendste Bestandsaufnahme zum weltweiten Elektroschrott. Seine Zahlen bilden die Grundlage für die EU-Kreislaufpolitik – und für den Circular Economy Act, den die Europäische Kommission noch 2026 vorlegen will.
Ein Blick auf die Daten zeigt, wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Realität ist: 62 Millionen Tonnen Elektroschrott fielen 2022 weltweit an, ein Plus von 82 Prozent seit 2010. Nur 22,3 Prozent davon wurden dokumentiert gesammelt und recycelt. Der Rest landet auf Deponien, in informellen Verwertungsketten oder in Schubladen.
Die Kernzahlen im Überblick
- Fünfmal schneller: Der E-Schrott wächst fünfmal schneller als die dokumentierte Recyclingmenge. Bis 2030 werden 82 Millionen Tonnen erwartet, die Recyclingquote könnte auf 20 Prozent sinken.
- 91 Milliarden US-Dollar: So viel waren die Metalle in den Altgeräten des Jahres 2022 wert – zurückgewonnen wurden rund 28 Milliarden.
- Unter 1 Prozent: Nur so viel des Bedarfs an Seltenen Erden wird heute durch Recycling gedeckt.
Europa: Spitzenreiter auf beiden Seiten
Europa erzeugt mit 17,6 Kilogramm pro Kopf den meisten Elektroschrott weltweit – und hat mit 42,8 Prozent zugleich die höchste dokumentierte Sammelquote. Das klingt gut, bedeutet aber im Umkehrschluss: Mehr als die Hälfte der Altgeräte in Europa verschwindet aus dem regulären Kreislauf.
Für Unternehmen ist das relevant, weil ausgemusterte Firmen-IT einen großen und vergleichsweise homogenen Anteil dieses Stroms ausmacht – Notebooks, Monitore, Server und Smartphones in großer Stückzahl, mit hohem Restwert und bekannter Herkunft.
Circular Economy Act: Was die EU plant
Die Kommission hat den Circular Economy Act als eine der zentralen Initiativen ihres Mandats angekündigt und will den Vorschlag bis Ende 2026 vorlegen. Ziel ist ein echter Binnenmarkt für Sekundärrohstoffe: einheitliche Kriterien für das Ende der Abfalleigenschaft, Mindestanteile an Rezyklaten, vereinfachte Verbringung innerhalb der EU und eine stärkere Nachfrage nach recycelten Materialien.
Kritiker aus dem Umweltbereich fordern, dass der Act nicht bei der Verwertung stehen bleibt, sondern die Abfallvermeidung – also Wiederverwendung und längere Nutzung – ins Zentrum rückt. Die Sekundärrohstoffquote der EU lag zuletzt bei nur 11,8 Prozent.
Warum Wiederverwendung vor Recycling kommt
Recycling gewinnt Rohstoffe zurück, verbraucht dabei aber Energie und verliert einen Teil des Materials. Die Wiederverwendung eines funktionsfähigen Geräts vermeidet dagegen die gesamte Herstellungsphase eines Neugeräts – bei einem Notebook typischerweise den größten Teil des Lebenszyklus-Fußabdrucks.
- Ausmusterung planen statt sammeln: Geräte, die jahrelang im Lager liegen, verlieren Restwert und Verwendbarkeit.
- Re-Use-Quote messen: Fordern Sie von Ihrem ITAD-Partner den Anteil der Geräte, die in die Zweitnutzung gehen – nicht nur den Nachweis der „ordnungsgemäßen Entsorgung”.
- Nachweise sichern: Gewichts- und Materialbilanzen, CO₂-Einsparung und Löschzertifikate machen den Beitrag in ESG-Berichten sichtbar.
Fazit
Die Zahlen des E-waste Monitors zeigen, dass die Kreislaufwirtschaft bei Elektronik noch am Anfang steht. Der Circular Economy Act wird den regulatorischen Rahmen verschärfen – Unternehmen, die ihre IT-Rückführung heute schon auf Wiederverwendung ausrichten, sind darauf vorbereitet. Rhein ITAD Cycle führt über 95 Prozent der angekauften Geräte in die Wiederverwendung und dokumentiert jeden Schritt.
Quellen: UNITAR/ITU, Global E-waste Monitor 2024; Europäische Kommission, Ankündigung Circular Economy Act (Vorschlag 2026); Deutscher Naturschutzring, Analyse zum Circular Economy Act (2025).
Was zählt als Elektroschrott?
Alle ausgedienten Geräte mit Stecker oder Batterie – vom Smartphone über Notebooks und Server bis zu Monitoren und Druckern. Im Unternehmenskontext ist der Anteil an hochwertiger IT besonders hoch.
Warum ist die Recyclingquote so niedrig?
Viele Geräte werden gehortet, informell entsorgt oder außerhalb dokumentierter Wege verwertet. Hinzu kommen fehlende Rücknahmestrukturen in vielen Regionen und der schnelle Anstieg der Gerätemengen.
Was bedeutet der Circular Economy Act für mein Unternehmen?
Konkrete Pflichten stehen noch aus. Absehbar sind strengere Anforderungen an Rezyklatanteile, Nachweise über Verwertungswege und eine stärkere Rolle der Wiederverwendung. Wer heute schon Re-Use-Quoten und Verwertungsnachweise dokumentiert, ist vorbereitet.




