VSME-Standard: EU empfiehlt freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht für KMU – was IT-Verantwortliche jetzt vorbereiten sollten
Mit ihrer Empfehlung vom 30. Juli 2025 (C(2025) 4984) hat die EU-Kommission den „Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs” (VSME) offiziell als Referenz für kleine und mittlere Unternehmen etabliert. Der von der EFRAG entwickelte Standard ist freiwillig – doch er dürfte schnell zum Maßstab dafür werden, welche Nachhaltigkeitsdaten Banken, Großkunden und Investoren von ihren Partnern im Mittelstand erwarten.
Für IT-Verantwortliche ist das relevant, weil ein erheblicher Teil der abgefragten Kennzahlen direkt aus dem Hardware-Lebenszyklus stammt: Energieverbrauch, Emissionen aus der Beschaffung, Abfallmengen und Kreislaufwirtschaft. Wer heute strukturiert erfasst, was mit ausgemusterten Geräten passiert, hat morgen die Zahlen, die der VSME verlangt.
Was der VSME-Standard ist – und was nicht
Der VSME wurde im Dezember 2024 von der EFRAG fertiggestellt und im Juli 2025 von der Kommission empfohlen. Er besteht aus zwei Modulen: Das Basismodul umfasst elf Angaben (B1 bis B11) zu Grundlagen, Praktiken, Energie und Treibhausgasen, Verschmutzung, Biodiversität, Wasser, Ressourcennutzung und Abfall sowie zu Belegschaft, Gesundheit, Vergütung und Korruptionsprävention. Das umfassende Modul (C1 bis C9) ergänzt unter anderem Reduktionsziele, Transitionspläne und Angaben zu Risiken. Anders als die CSRD ist der VSME keine gesetzliche Pflicht – er ist ein gemeinsamer Nenner, der Doppelabfragen vermeiden soll.
Genau darin liegt seine Bedeutung: Die Kommission empfiehlt großen Unternehmen und Kreditinstituten, ihre Informationsanfragen an KMU in der Wertschöpfungskette auf die VSME-Datenpunkte zu begrenzen. Wer den Standard bedienen kann, beantwortet die Fragebögen seiner Kunden künftig mit einem Datensatz statt mit zwanzig.
Welche Datenpunkte die IT liefern muss
Drei Angaben des Basismoduls berühren die IT unmittelbar. B3 (Energie und Treibhausgasemissionen) fragt nach dem Energieverbrauch und den Scope-1- und Scope-2-Emissionen; freiwillig können auch wesentliche Scope-3-Quellen genannt werden – und die Herstellung von IT-Hardware ist bei Dienstleistungsunternehmen häufig die größte davon. B7 (Ressourcennutzung, Kreislaufwirtschaft und Abfall) verlangt Angaben zu Abfallmengen, zur Aufteilung in gefährliche und nicht gefährliche Abfälle sowie zu Kreislaufpraktiken. Elektroaltgeräte fallen genau in diese Kategorie. B2 (Praktiken und Richtlinien) fragt, ob es überhaupt dokumentierte Vorgaben für Nachhaltigkeitsthemen gibt – eine IT-Ausmusterungsrichtlinie ist ein handfestes Beispiel.
Wie ITAD-Daten in den Bericht einfließen
Ein professioneller ITAD-Prozess erzeugt genau die Nachweise, die der VSME benötigt: Gerätelisten mit Seriennummern, Gewichte, den Anteil der Wiederverwendung gegenüber dem Recycling sowie die vermiedenen Herstellungsemissionen, wenn Geräte ein zweites Leben erhalten statt neu produziert zu werden. Bei Rhein ITAD Cycle erhalten Kunden diese Werte in einem ESG-Impact-Zertifikat je Projekt – aufgeschlüsselt nach Gerätetyp, mit CO₂e-Äquivalenten, geschonten Rohstoffen und vermiedenem Elektroschrott. Die Werte lassen sich direkt in B3 und B7 übernehmen.
Wichtig ist die Methodik: Der VSME verlangt, dass die Berechnungsgrundlagen offengelegt werden. Deshalb weisen wir die verwendeten Emissionsfaktoren und Quellen im Zertifikat aus – so bleibt der Bericht auch bei Rückfragen von Banken oder Wirtschaftsprüfern belastbar.
Drei Schritte für den Einstieg
1. Bestand erfassen: Legen Sie eine vollständige Liste aller Endgeräte, Server und Peripherie mit Anschaffungsjahr an. 2. Ausmusterung standardisieren: Definieren Sie, wer Geräte freigibt, wie Daten gelöscht werden und welcher Partner Wiederverwendung und Recycling dokumentiert. 3. Kennzahlen jährlich sammeln: Anzahl wiederverwendeter Geräte, Gewicht des recycelten Anteils und vermiedene Emissionen gehören in denselben Ordner wie Strom- und Heizkostenabrechnung. Wer diese drei Schritte geht, kann den VSME-Bericht innerhalb weniger Tage erstellen.
Fazit
Der VSME ist freiwillig, aber er wird zur Währung in der Lieferkette. Unternehmen, die ihre IT-Kennzahlen früh systematisch erfassen, sparen sich später aufwendige Einzelabfragen – und können den Beitrag ihrer Hardware-Strategie zum Klimaschutz erstmals mit Zahlen belegen.
Quellen: Europäische Kommission, Empfehlung vom 30. Juli 2025 zu einem freiwilligen Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von KMU (C(2025) 4984); EFRAG, „Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs (VSME)”, Dezember 2024.
Ist der VSME-Standard für KMU verpflichtend?
Nein. Der VSME ist ein freiwilliger Standard. Die EU-Kommission empfiehlt ihn als Referenz und rät großen Unternehmen und Banken, ihre Anfragen an KMU auf die VSME-Datenpunkte zu beschränken. Faktisch entsteht so ein Marktstandard, kein Gesetz.
Welche IT-Kennzahlen brauche ich für den VSME-Bericht?
Vor allem den Energieverbrauch der IT, die Emissionen aus der Hardware-Beschaffung (Scope 3, freiwillig), die Menge an Elektroaltgeräten sowie den Anteil, der wiederverwendet statt recycelt wurde. Ein ESG-Impact-Zertifikat aus dem ITAD-Prozess liefert diese Werte fertig aufbereitet.
Unterscheidet sich der VSME von den ESRS der CSRD?
Ja, deutlich. Die ESRS umfassen mehrere hundert Datenpunkte und gelten nur für große Unternehmen. Der VSME reduziert das auf elf Basisangaben plus optional neun weitere und verzichtet im Basismodul auf eine Wesentlichkeitsanalyse.




